Business Life in Russland – Land der begrenzten (Un)Möglichkeiten


Ein Vortrag des Assistenten des österreichischen Handelsdelegierten in Moskau

Der Vortrag fand am 23. November 2006 an der Montanuniversität Leoben statt. Organisiert wurde er vom ILA-Leoben in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Industrielogistik. Herr Mag. (FH) Karl-Heinz Hitl gehört zur Internationalisierungsagentur der WKO und ist in der österreichischen Botschaft tätig. Die genaue Bezeichnung lautet, Außenwirtschaft Österreich (AWO). Diese bietet zahlreiche Informationen für Unternehmen an, die mit dem Gedanken spielen ihre Wurzeln nach Russland auszustrecken.

Zu diesen Services gehören unter anderem:

  • Waren- und Dienstleistungsexporte inklusive Tourismus
  • Förderung von Auslandsinvestitionen
  • Technologietransfer
  • Unterstützung bei Beschaffung
  • Standort Werbung für Österreich
  • Bildungsexport
  • Forschungskooperation
  • Transfer von Geschäftsideen und Vertriebsnetzwerkaufbau

Die WKO besteht aus einem weltweiten Servicenetzwerk, welches aus 166 Stützpunkte besteht und insgesamt über ein Budget von  60 Millionen € verfügt. In Moskau ist die derzeit größte Außenhandelsstelle der WKO. 

Der Betreuungsbereich dieses Stützpunktes erstreckt sich über die ehemalige Sowjetunion mit den Ausnahmen Moldawien, Ukraine und der baltischen Staaten. Russland ist in Republiken unterteilt, wie Österreich in die Bundesstaaten. Diese dafür Steuern eintreiben, was ein komplexes Steuersystem geschaffen hat und überall unterschiedlich aussieht.

  • Einige Wirtschaftsdaten von Russland:
  • Wirtschaftswachstum 6,4 %
  • Arbeitslosigkeit 7,3 %
  • Inflation: 10,9 %
  • BIP / Kopf: 4.274 €
  • BIP: 615 Mrd. €


Die Exporte betragen 197 Mrd. €, wobei die Hauptexporte Erdöl/Erdgas, Metall und chemische Erzeugnisse betreffen. Die Importe belaufen sich auf 100 Mrd. €. Dabei sind die Hauptposten Maschine, Ausrüstung, landwirtschaftliche Erzeugnisse und Chemikalien. Waffen wurden aus dieser Auflistung herausgenommen, da diese Transfers sehr schwer zu ermitteln sind, was ein kleiner Seitenhieb des Vortragenden auf die diffuse Situation diesbezüglich in Russland widerspiegelt. Die österreichischen Direktinvestitionen betragen 1,5 Mrd. €. Hauptinvestoren sind Raiffeisen, Mayr-Melnhof, Mondi, uvm.

Tipps für den Russlandaufenthalt:

Man sollte das Thema Tschetschenien nicht gleich ansprechen, die Russen könnten sehr empfindlich darauf reagieren. Dafür sollte man schon etwas besser befreundet sein oder das Thema sollte von alleine aufkommen. Zum Essen muss natürlich auch getrunken werden. Es ist also nicht unüblich eine Flasche Wodka auf den Tisch zu bekommen. Damit wird auf alles und jeden angestoßen. Hierbei gibt es eine gewisse Reihenfolge. Als erster wird der Gast angeprostet, danach muss der Gast auf den Gastgeber trinken. Dies geht dann einige Runden so weiter. Trinkfestigkeit ist also gefragt.

Die Russen sind ein sehr stolzes Volk. So sehr man auch im eigenen Land über das System schimpft, im Ausland wird man so etwas niemals hören, da ist Russland das beste Land der Welt. Russischkenntnisse sind von Vorteil. Es werden bereits geringste Sprachkenntnisse hoch geschätzt. Die jungen Russen haben können sehr wohl Fremdsprachen, doch das ist bei den Älteren nicht weit verbreitet.

Sie zeigen ein enormes Improvisationstalent, falls sich auf irgendeine Weise Probleme ergeben sollten. Im Wirtschaftsleben sind sie sehr risikofreudig, doch die Amortisationszeit sollte kurz sein. Ein ungefährer Anhaltspunkt liegt etwa bei 3 Jahren.

Der Aufbau ist historisch bedingt streng hierarchisch und patriarchalisch. Es werden kaum Entscheidungen getroffen, ohne vorher mit dem Vorgesetzten gesprochen zu haben. Die Russen denken stets strategisch. Man sollte niemals unbedachte Fehler begehen, denn diese werden trotz „Freundschaft“ sofort ausgenutzt. Es wird stets überlegt wie man sich am Besten seinen Vorteil schaffen kann.

Im Geschäft gibt es Bürokratie pur. Das Einzige was wirklich schnell weiter hilft ist „Vitamin B“. Das russische Wort dafür heißt, „Krysha“ und bedeutet frei übersetzt Dach. Es symbolisiert die informellen Wege und Beziehungen. Man wird ständig als Bittsteller angesehen und steht in völliger Abhängigkeit den Behörden und Geschäftspartnern gegenüber.

Bei einer Reise nach Russland gibt es ein paar weitere nützliche Tipps:

» Visa-Pflicht: Es ist nötig eine Einladung durch eine Firma, ein Hotel oder einer Visaagentur vorzeitig zu beantragen. Die Dauer ist beschränkt auf maximal 3 Monate.

» Ausfüllen der Immigrationskarte

» Wartezeit an den Grenzposten können 15 Minuten bis 3 Stunden dauern.

» Deklarationspflicht von Bargeld (Einreise über 10.000 $, Anreise über 3.000 $
Kreditkarten werden weitgehend akzeptiert. Barzahlungen werden jedoch in Rubel gemacht.

» Vom Flughafen ins Zentrum kann die Reise 2 bis 3 Stunden dauern. Hotels gibt es ab 
200 $ exklusive NDS (Mehrwertsteuer), aber es gibt Corporate Agreements mit der WKO.

» Falls ein Dolmetscher benötigt wird hilft die Außenhandelsstelle gerne weiter.

» Ausländer zahlen für die meisten Leistungen mehr als Einheimische.

» Es gibt keine einheitliche Tarifstruktur bei Taxis. Daher sollte man nicht in die Taxifalle treten und sich gleich auf den ersten Tarif einigen. Wenn zwei Personen im Taxi sitzen sollte man vorsichtig sein.

» Polizeikontrollen sind quasi eine Spende für die Polizisten und daraus wird nicht einmal ein Hehl gemacht.

» Roaming ist in Russland teuer, deshalb sollte man sich Wertkarten besorgen oder per Skype telefonieren, falls man einen Laptop mit Internetanschluss besitzt.

Zusammenfassend lässt sich für Geschäfte in Russland erwähnen: Es gibt große Chancen, doch ebenfalls große Risiken.  Wenn das Angebot zu gut ist um wahr zu sein, ist es das auch  die Zahlungsmoral ist sehr schlecht, deshalb ist es ratsam, dass man ein Vorausinkasso oder Dokumentenakkreditiv vereinbart.

Firmengründungen sind kein Problem, wenn man einen Rechtsanwalt hinzuzieht. Der Preis dafür beläuft sich auf 6.000 bis  9.000 Euro  Die Gebühren für den Zoll (bis 25 %) sind sehr hoch und die Mehrwertsteuer beträgt 18 %. Weiters sind viele Zertifikate sind nötig, um Geschäfte in Russland abzuwickeln.Ein weiterer und abschließender Tipp von Herrn Hitl lautete: Gefahren wissen und erkennen Vorbereiten und ausweichen – den „geraden Weg“ nicht verlassen (Korruption).

Manuel Artz, Schriftführer ILA-Leoben
m0335154@stud.unileoben.ac.at

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