Fragen an Maximilian Kolmbauer – Medizintechnik

 
Chef INFO / Thema Innovationen


• Konkrete Beispiele von oö. Unternehmen, die in Sachen Medizintechnik am Zug sind und eben auch durch die Clusteraktivitäten dazu gebracht wurden.

 
Maximilian Kolmbauer will den oö. Unternehmen die Früchte der Medizintechnik schmackhaft machen.

Ein Vorzeigeunternehmen in diesem Bereich ist die Firma AKAtech. Mag. Michael Farthofer, der Geschäftsführer, hat über ein Cluster-Projekt den Einstieg in die Medizintechnik geschafft. Und zwar mit einem Blutanalysegerät, das sogar in die USA exportiert wird. Weitere Firmen sind: Technosert, Abatech oder Preciplast. Ein Beispiel eines „großen“ ist Lenzing Plastics. Die haben von der PTE-Produktion über die Herstellung von Fasern für Seile mit Spezialanwendungen den Sprung zur Zahnseide bis hin zum Highthechprodukt Nahtmaterial für Herzklappen geschafft haben. Und nicht zu vergessen: Eine Vielzahl von Zulieferfirmen, die gerade beim Einstieg sind. Wir vom Cluster unterstützen und zeigen dabei auch Förderungen auf.


• Die Chancen in diesem Branche in Zahlen – Wachstumsraten der Branche, Erwartungen für die nächsten Jahre; internationale Präsenz heimischer Unternehmen,…

Insgesamt ist das Wachstum mit sechs bis sieben Prozent sehr viel versprechend. Aufgrund der demografischen Entwicklung und dem erst beginnenden Einsatz von Technologien – ich denke dabei etwa an mikrobiozide Nanobeschichtungen, das sind Beschichtungen, die verhindern, dass sich Bakterien ansetzen – und dem sich im Umbruch befindenden Gesundheitssystem eröffnen sich eigentlich laufend neue Anwendungsgebiete und entsprechende Nischenmärkte. Das bringt nicht nur den großen Multis Potentziale und Chancen, sondern auch den vielen kleinen und mittleren Unternehmen. Vergessen darf man im technologischen Bereich auf keinen Fall auf die immer stärkere Vernetzung durch die IT und die neuen Werkstoffe aus Keramik, Metall und Kunststoff. Auch dadurch ergeben sich aussichtsreiche Möglichkeiten.

 

 Welches Know how ist konkret gefragt?

Wie in jeder anderen Branche gilt auch hier: Kundennähe und Kundenorientierung sind die Schlüssel zum Erfolg. Denn nur, wer die Problemstellungen der Anwender kennt, kann die richtigen (!) Lösungen anbieten. Was die formale Qualifikation betrifft, sind ein HTL-Abschluss, eine Uni-Studium oder ein FH-Studium eine gute Basis. Gefragt sind vor allem auch Kenntnisse der rechtlichen Rahmenbedingungen und excellentes Qualitätsmanagement in Kombination mit der Fähigkeit, bei den Anwendern – sprich Ärzten, Krankenpflegern oder Medizintechnikern – andocken zu können.


• Welche sind die stärksten Märkte – jetzt und in Zukunft? Welche Rolle spielen hier die „neuen“ EU-Länder?

Der stärkste Markt in Europa ist klar Deutschland. Die größten Märkte weltweit sind die USA, Deutschland und Japan. Wobei mit zunehmendem Wohlstand in den Ländern Südostasiens die größten künftigenWachstumspotenziale liegen werden. Die „neuen“ EU-Länder haben große Investitionen in ihren Gesundheitssystemen noch vor sich. Auch hier könnte die oberösterreichische Wirtschaft durchaus mitmischen. Wir werden auf jeden Fall diese Märkte beobachten und unsere Partner-Unternehmen laufend informieren.


• Wie schaut die F&E Quote in diesem Bereich hierzulande aus?

Aktuell liegen wir bei knapp acht Prozent. Dieser Wert wird allerdings langfristig nicht ausreichen um die oberösterreichischen Unternehmen abzusichern und auszubauen. Das Engagement des Landes – etwa durch die Forschungsschwerpunkte Mechatronik oder Life Science im Rahmen des Strategischen Programms „Innovatives OÖ 2010“ – sind ganz wesentliche Weichenstellungen, die hier viel bewirken können. Was wir noch brauchen, ist eine klare Fokussierung der Kräfte auf das Ziel, Oberösterreich zu einer international beachteten Life-Science Region zu machen. Dabei ist es von enormer Bedeutung, dass man sich ganz klar auf bestimmte Bereiche konzentriert und diese ausbaut. Ganz nach der Devise: Weniger ist mehr.


• Welche Chancen haben kleinere Unternehmen, hier mit zu halten – wie interessant sind Netzwerke?

Kleinere Unternehmen haben vor allem als Zulieferer und in speziellen Nischen Chancen. Die Anforderungen sind in beiden Bereichen wie in anderen Bereichen der Industrie hart, aber dafür locken stabile Kundenbeziehungen und gesichertes Wachstum. In Zeiten schrumpfender Industriemärkte ist das sicher für viele Unternehmen eine gute Option. Weil unsere Firmen scheuen weder die hohen Anforderungen sondern sind Meister im Lösen von Kundenproblemen.

Netzwerken kommt hier eine besondere Funktion zu: Denn sie ersparen den Netzwerk-Firmen viele negative Erfahrungen, die sie nicht selber machen müssen. Orientierungshilfe bei den Märkten, den rechtlichen Bedingungen und den relevanten Playern plus Förderungen für Innovationen kann man sich beim Cluster-Team und ganz informell – bei den Veranstaltungen in persönlichen Gesprächen – holen.


• Was muss ein Unternehmen neben der technischen Qualifikation können, um auf diesen neuen Märkten seine Chancen wahrnehmen zu können?

Wie gesagt: Das wichtigste ist, die Bedürfnisse der Kunden zu verstehen. Egal ob Endanwender – Ärzte oder Pfleger – oder Endgerätehersteller. Unternehmen, die sich für einen Einstieg interessieren, haben bei uns immer eine offene Türe. 


Rückfragen-Kontakt: Mag. Harald Hochgatterer, Leiter TMG-Kommunikation,
Telefon: (0732) 79810-5062 oder harald.hochgatterer@tmg.at

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