Logistik braucht Qualifizierung



Europa-Zertifikat für Logistiker

Im Rahmen des Logistikdialoges der BVL beschäftigte sich ein Vortragsblock mit dem Thema Logistikausbildung. Vorgestellt wurden etwa 20 in Österreich angebotene Ausbildungsprogramme auf Hochschulniveau. Eine Studie der FH Steyr stellt fest, dass sich die Unternehmen vom Logistiker neben Fremdsprachen vor allem gute Allgemeinbildung, Mobilität, Internationalität, soziale Kompetenz, Kommunikationsgeschick und Betriebswirtschaftliche Kenntnisse wünschen. Spezifische Kenntnisse in den technischen und funktionalen Bereichen der Logistik werden vorausgesetzt.


Helmut Zsifkovits,
Werner Manahl

Diese Rückmeldungen zeigen, wie unspezifisch die Anforderungen an den Logistiker gesehen werden und wie wenig ausgeprägt sich das Berufsprofil des Logistikers in der Unternehmenspraxis darstellt. Darüber hinaus ist festzustellen, dass Logistiker vielfach auf Hochschulniveau definiert werden. Gerade im Bereich der operativen Logistik hat sich der Bedarf an qualifizierten Kräften mit spezifischer technisch-fachlicher Ausbildung stark entwickelt.

Gerade für das Profil des Logistikpraktikers wurden auf europäischer Ebene Standards gesetzt, die die erforderlichen Kompetenzen für Logistiker unterschiedlicher Branchen und Ebenen definieren und zertifizieren. Aus- und Weiterbildungsinstitutionen können aufgrund dieser Anforderungen eine Approbierung erlangen. 20 europäische Staaten, darüber hinaus auch außereuropäische Regionen wie zum Beispiel Südafrika, Hong Kong und einige Provinzen Chinas, beteiligen sich an dieser Entwicklung und qualifizieren und zertifizieren Logistiker. Das Europa-Zertifikat der European Logistics Association (ELA) bestätigt die nachgewiesenen Kompetenzen auf drei Ebenen (Operational, Senior und Strategic Management). Führend in dieser Entwicklung sind Großbritannien und die Niederlande, aber auch Österreich war frühzeitig und maßgeblich daran beteiligt. Europaweit führen bereits 2500 Logistiker dieses Europa-Diplom, in Österreich mehr als 150. Für Personalverantwortliche bietet das Europa-Zertifikat eine qualifizierte Orientierung bei der Stellenbesetzung.

In der Diskussion zum Vortragsblock Logistikausbildung wurde darauf hingewiesen, dass nicht der Titel eines Lehrgangs ausschlaggebend ist, sondern die inhaltliche Ausrichtung und Qualität. Es gibt eine Reihe weiterer Angebote in technisch und wirtschaftlich orientierten Lehrgängen, die spezielle Aspekte der Logistik abdecken. Damit zeigt sich, dass für die Auswahl einer Aus- oder Weiterbildung sowie für das Personal-Recruiting die im Rahmen eines Programms entwickelten Kompetenzen zu beachten sind.

In einem zunehmend fragmentierten und unübersichtlich werdenden Markt der Aus- und Weiterbildung gewinnt die Orientierung an international abgestimmten und erprobten Rahmenmodellen immer größere Bedeutung. Wesentlich ist die Durchgängigkeit des Kompetenzerwerbes beginnend mit der beruflichen Lehre über den Meister, die Fachkraft, den Spezialisten bis hin zum Logistikmanager. In Österreich besteht seit wenigen Jahren die Möglichkeit einer Lehre als Lagerlogistiker oder Speditionslogistiker. Das Angebot an approbierten Programmen reicht von berufsbegleitenden Lehrgängen über universitäre Studiengänge und Lehrgänge bis hin zum postgradualen Professional Logistics MBA.  Im Bereich der beruflichen Lehre sind Modelle der Approbierung und Zertifizierung im europäischen Kontext noch zu etablieren. Dieser Bedarf wurde im Rahmen der Diskussion deutlich geäußert.

Weitere Informationen stehen Ihnen auf der Homepage der BVL Österreich im Themenblock Ausbildung http://www.bvl.at/ausbildung zur Verfügung.

Werner Manahl
Helmut Zsifkovits

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