PCI-Bauchemie: Subsysteme sind passé dank SAP LES


DEGUSSA / PCI Augsburg profitiert von durchgängiger Lagerverwaltungslösung mit direkter SPS-Ankopplung an SAP LES/TRM

Unter Baufachleuten genießt die Marke PCI ein hohes Ansehen: Wenn es um das Verlegen von Fliesen und Natursteinen, die Sanierung und Abdichtung von Beton oder das Verkleben von Bodenbelägen geht, greifen Planer und Handwerker bevorzugt zu den Produkten des Augsburger Bauchemie-Spezialisten. Die Kunden schätzen aber nicht nur die hohe Produktkompetenz der Bauchemie-Experten; ebenso großen Wert legen sie auf eine verzögerungsfreie Anlieferung der Ware, wie Peter Treidel, Ressortleiter Logistik bei PCI, betont: „Qualität bedeutet für unsere Kunden nicht nur ein hochwertiger Baustoff. Sie verbinden damit auch die logistische Leistung in Form einer schnellen, pünktlichen und fehlerfreien Lieferung.“

 

Um die Spitzenposition und Innovationskraft der Marke PCI zu halten, betreibt das Unternehmen ein eigenes Forschungs- und Entwicklungszentrum. In der Logistik, wo bisher ein hoher Aufwand betrieben wurde, sind Fortschritte heutzutage vor allem im IT-Bereich zu erzielen, um beispielsweise den Warenfluss vom Silo bis hin zum Baustoffhändler weiter zu optimieren. Mit der bisher eingesetzten Individualsoftware für die Lagerverwaltung und –steuerung war man jedoch an Kapazitäts- und Planungsgrenzen angelangt. 

 

Nach sechs Jahren Laufzeit musste das bestehende LVS-System entweder grundlegend renoviert oder eine neue Lösung eingeführt werden.  Da der Anbieter keine Aktualisierung plante und alleine die benötigte Einführung einer NVE Standardetikettierung (NVE = Nummer der Versandeinheit) mit unverhältnismäßig hohen Kosten zu Buche geschlagen hätte, hielten die Verantwortlichen nach einer zukunftsträchtigen Alternativlösung Ausschau. Neben der Implementierung neuer Funktionen bestand im Vorfeld bereits der Wunsch, gleich auch die Schnittstellenvielfalt zu reduzieren.

Da PCI bereits alle betriebswirtschaftlichen SAP-Module einsetzt, lag es nahe, auch für eine neue Logistik-Plattform eine Lösung des Walldorfer Unternehmens auf Basis des SAP Logistics Execution Systems (SAP LES) in Betracht zu ziehen. Die Umstellung auf SAP LES versprach daher Vorteile wie eine gezielte Schnittstellenvermeidung, eine einheitliche Kommunikation und eine bereichsübergreifende Denkweise. Des weiteren ging es auch um Aspekte der Marktentwicklung: Weil das Geschäft in Deutschland bereits einen extrem hohen Umsatzanteil hat, konzentriert man sich nun verstärkt auf den Ausbau von europäischen Marktanteilen. „Wir haben erkannt, dass wir nur mit einer Verbesserung der Logistik angemessen auf diese Entwicklung reagieren können“, erklärt Treidel. Derzeit existieren beispielsweise zwei große Läger in Österreich und der Schweiz, viele andere Niederlassungen werden kontinuierlich ausgebaut. „Nachdem neben dem Gesamtkonzern auch die international tätigen Schwestergesellschaften SAP im Einsatz haben, versprachen wir uns mit einer Vereinheitlichung auf dieser Basis etliche Vorteile“, so Treidel weiter.

Warenbewegungen in Echtzeit steuern
Eines der vorrangigen Optimierungsziele war, die bestehenden Lagerflächen noch effizienter zu nutzen und den Durchsatz zwischen Wareneingang, Produktion, Kommissionierung und Versand zu erhöhen. Außerdem ging es um die Einführung einer lückenlosen Warenlokalisierung und Rückverfolgung sowie die durchgängige, beleglose Warenerfassung vom Vorlieferanten bis zum Fliesenleger voranzutreiben. Ein weiterer Punkt im Pflichtenheft war die engere Verzahnung mit den beiden Zweigwerken Wittenberg und Hamm vor dem Hintergrund der 24-Stunden-Liefergarantie von PCI: Um ganz Deutschland im selbst gesteckten Zeitrahmen bedienen zu können, beträgt die maximale Transportstrecke von jedem Standort aus rund 300 Kilometer. Da aber nicht jeder Standort das gesamte Sortiment produziert, finden auch zwischen den Produktionsstätten umfangreiche Warenbewegungen statt. Das Logistiksystem sollte zentrale Steuerungsmöglichkeiten von Augsburg aus bieten und gleichzeitig den internen Warenverkehr so gering wie möglich halten.

Für die weiteren Planungen war zunächst eine Einsatzanalyse notwendig, mit der geprüft werden sollte, inwieweit die geforderten Funktionalitäten und die Abbildung der Prozesse mit Hilfe von SAP LES zu realisieren waren. Als Partner holte man sich hierzu bereits im Jahr 2002 die Lagerlogistik- und SAP LES Spezialisten der IGZ Logistics & IT GmbH aus Falkenberg für eine erste SAP-Einsatzanalyse ins Boot. Nach einer genauen Analyse der Istprozesse wurden gemeinsam mit dem Projektteam von PCI die Sollprozesse erarbeitet und diese mit den Standardfunktionen des SAP LES-Systems abgeglichen. Hieraus ergaben sich die kundenspezifischen Einstellungen und genaue Werte für Projektbudget und Zeitrahmen. Eine Einsatzanalyse war für PCI im Vorfeld von großer Bedeutung, um festzustellen, in welcher Form das SAP LES-System am sinnvollsten eingesetzt werden kann. Denn die Degussa setzt auf eine zentrale IT-Strategie. Dem gegenüber kam der SAP-Partner IGZ zum Ergebnis, dass bei PCI nur eine dezentrale, auf die drei Standorte verteilte SAP LES-Architektur in Frage kommen könne, wie Klaus Erdhofer, Leiter PCI Lieferzentren erklärt: „Die Antwortzeiten des Systems müssen bei uns inklusive der Funkübermittlung im Lager pro Transaktion unter einer Sekunde liegen. Selbst mit kostspielig aufgerüsteten WAN-Verbindungen in das Rechenzentrum wäre dieser Wert aber nur schwer zu erreichen gewesen.“ Ins Feld wurde auch das Argument der Ausfallsicherheit geführt. Wegen der kurzen Lieferfristen und dem Bereitstellungszeitfenster von zwei bis vier Stunden könnte sich jeder Ausfall im zentralen System zu einem Geschäftsrisiko entwickeln.

Schließlich werden Bestellungen für den nächsten Tag bis 14 Uhr entgegengenommen, die LKWs der Spedition müssen jedoch spätestens um 18 Uhr beladen sein, um sicherzustellen, dass alle Anschlusstransporte erreicht werden. Autarke Standorte können hingegen im Notfall gegenseitig einspringen. Das Konzept sah dabei pro Standort zwei gespiegelte Windows-Server vor Ort vor, auf denen SAP LES als eigenständige Instanz unter mySAP Supply Chain Management zum Einsatz kommen sollte.

Um den Vorstand von der Notwendigkeit des Projekts zu überzeugen, galt es unter anderem auch, eine Investitionsrechnung durchzuführen: „Der geschäftliche Nutzen eines Logistikprojekts lässt sich schwer berechnen, weil vordergründig zuerst einmal die Kunden profitieren“, so Erdhofer. Der Return on Investment (ROI) liegt bei deutlich unter drei Jahren. Bei der Umsetzung des Konzepts legte das Projekteam von PCI und IGZ ein erstaunliches Tempo vor: Nach vier Monaten Implementierungszeit und fünf Monaten Test und Rollout konnten alle drei Standorte (Augsburg, Hamm, Wittenberg) den Betrieb aufnehmen.

Bei PCI läuft die gesamte Produktionsplanung über die Logistik, wobei als bestimmende Größe stets die Kundennachfrage dient. Gemäß dem Bedarf erstellen die Planer über das SAP-System Prozessaufträge – ein solcher kann zum Beispiel 350 Tonnen Fertigware umfassen. Der Prozessauftrag wird dabei zunächst in das SAP LES übernommen. Anhand der Rezepturen lässt sich der Rohstoffbedarf ermitteln, eine Bestandsprüfung durchführen und Einkaufsvorgänge auslösen. Dann stellt die Logistik der Produktion die Rohstoffe und die Verpackungen zur Verfügung. Sobald die fertig befüllten Säcke die Mischanlage verlassen, erhalten sie per Tintenstrahldrucker eine Chargennummer und weitere SAP LES-Daten, womit sie bereits eindeutig für das System identifizierbar sind. An einem Übergabepunkt werden die Gebinde auf eine mit Barcode versehene Palette geladen, dabei im System mit dieser als SAPHandling-Unit (HU) „verheiratet“ und schließlich eingelagert. Von dort gehen sie schließlich in die Kommissionierung: Aus den von SAP-LES vorgegebenen Lieferdaten werden ganze Paletten oder aus Einzelgebinden zusammengestellte Liefereinheiten an die Bereitstellungsbahnen übergeben, wo sie auf die LKW-Verladung warten. Um die anschließend folgende Lieferkette systematisch abbilden zu können, versieht PCI jede Versand-Einheit mit einem NVE-Barcode.

Kunden und Dienstleister erhalten dadurch die Möglichkeit, ihre eigenen Prozesse zu optimieren. Durch das bei der its.on (IT-Dienstleister der Degussa) vorhandene PCI-Prozess-Know-how konnte die Anbindung der drei dezentralen SAP-LES-Systeme an das SAP Core System problemlos realisiert werden, wie Stefan Hahn, Projektleiter bei its.on, erläutert. Bei allen Transportschritten werden Paletten entweder vom automatischen Palettentransportsystem oder vom Staplerfahrer gescannt. Diese Bewegungs- oder Standortdaten fließen über die Echtzeitschnittstellen von den SPS-Steuerungen oder per Datenfunk unmittelbar in das LES.


SAP TRM Materialflusssteuerung
Bei der Steuerung der Stapler sowie der automatischen Transportstrecken kommt eine weitere SAP-Komponente zum Einsatz: Das Task & Resource Management (TRM) – ein neuer Bestandteil des SAP LES für die Stapler- und automatische Materialflusssteuerung. Während SAP LES alle Funktionen für die Lagerplatzverwaltung und Steuerung von Waren bereitstellt, hilft TRM durch die realitätsnahe Abbildung der physischen Lagerstrukturen bei der feingranularen Ausführung und Optimierung der Warenbewegungen.

Ressource kann dabei etwa ein Gabelstapler oder ein automatischer Verfahrwagen, Task kann die Entnahme einer Palette aus einem Regal oder der Stretchvorgang (zur Sicherung von Ladungen) auf der Förderstrecke sein. Unter anderem optimiert das System die Staplerrouten. Leerfahrten lassen sich durch die integrierte Wegeoptimierung mit dynamischer Bündelung der Tasks weitgehend vermeiden. Im TRM wurde des weiteren eine Echtzeitanbindung zwischen einem SAP-System und der eigenständigen Transportanlagensteuerung SPS (SIEMENS S5/S7) realisiert, wie Johann Zrenner, Geschäftsführer der IGZ Logistics & IT GmbH, erläutert: „Dank der zweistufigen Systemarchitektur mit direkter Kopplung von SAP TRM und den speicherprogrammierbaren Steuerungen wird keine externe Middleware mehr benötigt, um die automatisierte Fördertechnik an SAP anzubinden. PCI war so in der Lage, die Schnittstellen zu minimieren und die Logistikprozesse vollständig in SAP zu integrieren.“


IGZ Logistics & IT
IGZ ist das SAP-Logistik-Projekthaus, das Beratungs-Dienstleistungen zur Optimierung von logistischen Prozessen auf Basis des SAP Logistics Execution System (SAP LES) anbietet. Schwerpunkte liegen in der direkten Anbindung von speicherprogrammierbaren Steuerungen (SPS) an Task&Resource Management für automatisierte Lager-, Förder- und Kommissioniersysteme sowie in der direkten SAP-Integration von Pick-by-Voice-Systemen. SAP und IGZ arbeiten in den Bereichen SAP-Logistikentwicklung und Projektumsetzung eng zusammen. 
IGZ ist SAP Special Expertise Partner für SAP Logistics Execution System (SAP LES), Logistics Service Provider und Logistics Automation (Task&Resource Management für Direktanbindung Lagerautomatisierung). Die Geschäftsfelder umfassen SAP-Logistik-Strategieberatung, SAP-LES-Softwareimplementierung sowie Unterstützung bei der Technikauswahl.


Holger Häring
Projektierung SAP Logistics-Execution
I G Z Ingenieurgesellschaft für logistische Informationssysteme mbH
D-95685 Falkenberg, Schmiedweg 6
Tel.:      +49 (9637) 9292 – 130
Fax:      +49 (9637) 9292 – 530
E-Mail:   HHaering@igz.com

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